1947 - 1999
Nachkriegszeit
Ein besonderes Erlebnis war das Eidgenössische Turnfest 1947 in Bern, das erste große Turnfest nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch nie waren wir so gut vorbereitet. Die gesamte Schweiz fieberte diesem Ereignis entgegen, und auch wir wollten uns von unserer besten Seite zeigen. Unser Engagement zahlte sich aus, und die herausragende Leistung brachte uns eine unerwartet hohe Platzierung. Der Empfang zu Hause war überwältigend – der gesamte Ort war auf den Beinen, um uns zu feiern. Das Gefühl der Anerkennung und Wertschätzung durch die Dorfgemeinschaft war unvergesslich.
Im Jahr 1946 triumphierten die Turner beim Kantonalturnfest in Aesch und feierte den Höhepunkt ihrer bisherigen Leistungen. Dieser Sieg schien symbolisch für die erfolgreiche und kameradschaftliche Arbeit des Vereins zu stehen. Die Turnmannschaft war eingespielt, diszipliniert und motiviert, was sich in zahlreichen weiteren Erfolgen zeigte, unter anderem in den Waldläufen, wo die Mannschaft mehrfach den ersten Rang belegte.
Erste Ermüdungserscheinung?
In den frühen 1950er-Jahren begann jedoch eine Phase des Abschwungs. Das Eidgenössische Turnfest in Lausanne 1951 brachte nicht den erhofften Erfolg, und der Turnbetrieb verlor an Schwung. Es fehlte an Aktiven, und auch die Motivation schien abzunehmen. So war es für den Verein besonders schwer, wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen. Ein besonders schwieriges Jahr war 1954, als trotz einer guten Leistung beim Kantonalturnfest in Biberist der Schwung fehlte, um sich für das Eidgenössische in Zürich vorzubereiten. In den Jahren danach kämpfte der Verein mit einer Art Lähmung, die sich in mäßigen Ergebnissen bei den Wettkämpfen zeigte.
Doch der Tiefpunkt war nicht von Dauer. Mit neuem Elan ging der Turnverein in die 1960er-Jahre. Besonders das Jahr 1958 markierte eine Wende: Der Verein trat am Kantonalturnfest in Balsthal mit einer größeren Mannschaft auf und konnte auch kameradschaftlich überzeugen. 1963 gelang dem Turnverein dann ein beeindruckendes Comeback beim Eidgenössischen Turnfest in Luzern, bei dem er als beste Solothurner Sektion in der 8. Stärkeklasse brillierte. Diese Phase wurde von harter Arbeit, gutem Training und einer neuen Generation von Turnern getragen, die den Geist des Vereins beibehielten und ihn zu neuen Höhen führten.
Nicht alles ist Gold was glänzt
Doch trotz dieser Erfolge blieb der Weg steinig. Die späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre waren auch von internen Spannungen geprägt. Häufige Wechsel im Vorstand und Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern führten zu einer schwierigen Phase. So war es nicht ungewöhnlich, dass Versammlungen schlecht besucht waren und der Turnbetrieb manchmal fast zum Erliegen kam. Im Protokoll der Herbstversammlung steht: «…über diese Versammlung hat es keinen Sinn, weitere Worte zu verlieren.» 1966 verlor der Verein tragischerweise seinen Präsidenten, was einen schweren Schlag bedeutete. Trotz dieser Trauer hielt die Gemeinschaft des Vereins zusammen, und schon ein Jahr später feierten die Turner in Bern einen weiteren großen Erfolg.
In den frühen 1970er-Jahren musste sich der Verein wieder neu orientieren. Die großen Turnfeste fanden nun in längeren Abständen statt, was das bisherige Turnprogramm infrage stellte. Doch der Verein zeigte Flexibilität und begann, neue Wettkämpfe in sein Programm aufzunehmen. So konnte er trotz der Herausforderungen der Zeit weiterhin erfolgreich bleiben.
Soziales Engagement
Auch abseits der sportlichen Aktivitäten engagierte sich der Turnverein immer wieder für die Gemeinschaft. Theateraufführungen, gemeinsame Unternehmungen und Hilfsaktionen prägten das Vereinsleben. Diese kameradschaftlichen Aktivitäten waren ebenso wichtig wie die sportlichen Erfolge und trugen dazu bei, den Zusammenhalt im Verein zu stärken.1972 war ein bedeutendes Jahr für unseren Verein, als endlich eine eigene Turnhalle in unserer Gemeinde eröffnet wurde. Damit wurde das Turnen nach modernen Maßstäben möglich, was uns neue Möglichkeiten bot. Zwei Jahre später, zum 75-jährigen Jubiläum, übernahmen wir die Organisation des kantonalen Ringertages, unterstützt von anderen Vereinen.
Die 70er Jahre brachten einen Generationswechsel im Turnverein mit sich. Die jüngeren Turner übernahmen das Zepter und brachten frischen Wind in den Verein. Während die traditionellen Marsch- und Freiübungen schon länger der Vergangenheit angehörten, kam vermehrt der Spielbetrieb hinzu. Besonders der Korbballsport erlebte einen Aufschwung, und wir konnten zahlreiche Erfolge feiern, wie die vielen Pokale und Preise belegen.
In dieser Zeit entstanden auch der Männerturnverein und der Damenturnverein, was das hohe Ansehen der körperlichen Betätigung im Vereinsleben weiter unterstrich. Auch die Jugendriege erhielt vermehrte Aufmerksamkeit, wobei der spielerische Ansatz im Vordergrund stand. Besonders die jährlichen Hockey-Turniere und Wettkämpfe um "die vielseitigste Hoblerin/den vielseitigsten Hobler" sorgten für große Begeisterung – sowohl bei den Jugendlichen als auch bei ihren Eltern.
Auch an kantonalen, eidgenössischen und regionalen Turnfesten nahm der Verein weiterhin erfolgreich teil, und im Laufe der Jahre konnten viele Erfolge verbucht werden. Besonders stolz ist man auf die Teilnahme am Eidgenössischen Turnfest in Luzern 1992, wo wir als beste Solothurner Sektion abschlossen.
Doch nicht alles lief immer reibungslos. Schon 1982 wurde im Protokoll der fehlende Teamgeist bemängelt, und auch das Nachwuchsproblem wurde 1989 diskutiert. Trotz dieser Herausforderungen war der Verein in den 90er Jahren in der Lage, eine neue, selbst entworfene Vereinsfahne stolz einzuweihen.
1990 wagten wir ein besonderes Experiment: Eine gemeinsame Korbballmannschaft mit dem benachbarten Gempen. Diese Zusammenarbeit zahlte sich aus, denn die Mannschaft erreichte die Spitzenliga auf schweizerischer Ebene. Neben den sportlichen Erfolgen pflegten wir auch die Traditionen, wie die wieder auflebenden Eierleseten in Gempen und Seewen, wo wir oft siegreich waren. Unsere Turnfahrten führten uns regelmäßig zu zweitägigen Ausflügen in verschiedene Regionen des Landes. Dieses gesellschaftliche Engagement fand seinen Höhepunkt wahrscheinlich mit der Feier zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 1999. Neben einer überarbeiteten Vereinschronik, Neujahres-Apero und weiteren sportlichen Veranstaltungen fand am 4. Spetember 1999 im Dorfzentrum die grosse Feier statt. Mit Live-Musik, Kulinarik und sportlichen Wettkämpfen feierte der Verein sein 100. Geburtstag.